Rainer Maria Rilke

Mit Rilke durch das Jahr!
Wenn ihr an mich denkt,denkt an die Stunde, in der ihr mich am liebsten hattet. Rainer Maria Rilke

Mittwoch, 6. Juni 2012

Rainer Maria Rilke - Gedichte&Kunst ....

PARIS ….
    Gärten - Der Panther -
                            und dann und wann ein weißer Elefant ….

Die Gazelle
Gazella Dorcas

Verzauberte: wie kann der Einklang zweier
erwählter Worte je den Reim erreichen,
der in dir kommt und geht, wie auf ein Zeichen.
Aus deiner Stirne steigen Laub und Leier,

und alles Deine geht schon im Vergleich
durch Liebeslieder, deren Worte, weich
wie Rosenblätter, dem, der nicht mehr liest,
sich auf die Augen legen, die er schließt:

um dich zu sehen: hingetragen, als
wäre mit Sprüngen jeder Lauf geladen
und schüsse nur nicht ab, solang der Hals

das Haupt ins Horchen hält: wie wenn beim Baden
im Wald die Badende sich unterbricht:
den Waldsee im gewendeten Gesicht.

Rainer Maria Rilke,
17.7.1907, Paris
Dorkas 
ist ein weiblicher Vorname. Mehr hier....
Der Name stammt aus dem Altgriechischen und wird mit Gazelle übersetzt;
eine solchermaßen benannte Dorkasgazelle existiert.

Max Slevogt, die schwarzen Panther, 1901.
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke
6.11.1902, Paris

Max Slevogt – Die schwarzen Panther (1901)
– Karte zu dem Gedicht „Der Panther“, von Christian Mantey

Les artistes animaliers au Jardin des Plantes. 
Magazine-L'Illustration-du 7 août 1902.

Max Slevogt, Spanische Tänzerin, die Tänzerin Mariatta di Rigardo.1904.
Spanische Tänzerin

Wie in der Hand ein Schwefelzündholz, weiß,
eh es zur Flamme kommt, nach allen Seiten
zuckende Zungen streckt -: beginnt im Kreis
naher Beschauer hastig, hell und heiß
ihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten.

Und plötzlich ist er Flamme, ganz und gar.

Mit einem Blick entzündet sie ihr Haar
und dreht auf einmal mit gewagter Kunst
ihr ganzes Kleid in diese Feuersbrunst,
aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken,
die nackten Arme wach und klappernd strecken.

Und dann: als würde ihr das Feuer knapp,
nimmt sie es ganz zusamm und wirft es ab
sehr herrisch, mit hochmütiger Gebärde
und schaut: da liegt es rasend auf der Erde
und flammt noch immer und ergiebt sich nicht -.
Doch sieghaft, sicher und mit einem süßen
grüßenden Lächeln hebt sie ihr Gesicht
und stampft es aus mit kleinen Füßen.

Rainer Maria Rilke,
Juni 1906, Paris

Ferdinand du Puigaudeau,Carousel at Night at the Fair
Das Karussell
Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .

Rainer Maria Rilke,
Juni 1906, Paris

Max Slevogt illustrierte Rilkes "Ausgewählte Gedichte",
in einer Faksimilehandschrift der von Hand geschriebenen Gedichte aus den Jahren 1902 bis 1917 
sowie neun Aquarelle und 6 Federzeichnungen von Max Slevogt.
Max Slevogt, Federzeichnung.
Die Künstler
Max Slevogt, portraitiert von
Emil Orlik 1917.

Max Slevogt,
mehr hier : Max Slevogt

Ferdinand du Puigaudeau 
mehr hier : Ferdinand du Puigaudeau

Geo ::.
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