Der Weg
von der Innigkeit zur Größe
geht
durch das Opfer. - Kassner ....
Lange
errang ers im Anschaun.
Sterne
brachen ins Knie
unter
dem ringenden Aufblick.
Oder er
anschaute knieend,
und
seines Instands Duft
machte
ein Göttliches müd,
daß es
ihm lächelte schlafend.
Türme
schaute er so,
daß sie
erschraken:
Wieder
sie bauend hinan, plötzlich, in Einem!
Aber wie
oft, die vom Tag
überladene
Landschaft
ruhete
hin in sein stilles Gewahren, abends.
Tiere
traten getrost
in den
offenen Blick, weidende,
und die
gefangenen Löwen
starrten
hinein wie in unbegreifliche Freiheit;
Vögel
durchflogen ihn grad,
den
gemütigen; Blumen
wiederschauten
in ihn
groß wie
in Kinder.
Und das
Gerücht, daß ein Schauender sei,
rührte
die minder,
fraglicher
Sichtbaren,
rührte
die Frauen.
Schauend
wie lang?
Seit wie
lange schon innig entbehrend,
flehend
im Grunde des Blicks?
Wenn er,
ein Wartender, saß in der Fremde; des Gasthofs
zerstreutes
abgewendetes Zimmer
mürrisch
um sich, und im vermiedenen Spiegel
wieder
das Zimmer
und
später vom quälenden Bett aus
wieder:
Da
beriets in der Luft,
unfaßbar
beriet es
über
sein fühlbares Herz,
über
sein durch den schmerzhaft verschütteten Körper
dennoch
fühlbares Herz
beriet
es und richtete:
Daß er
der Liebe nicht habe.
(Und
verwehrte ihm weitere Weihen.)
Denn des
Anschauns, siehe, ist eine Grenze,
und die
geschautere Welt
will in
der Liebe gedeihn.
Werk des
Gesichts ist getan,
tue nun
Herzwerk
an den
Bildern in dir, jenen gefangenen; denn du
überwältigtest
sie; aber nun kennst du sie nicht.
Siehe,
innerer Mann, dein inneres Mädchen,
dieses
errungene aus
tausend
Naturen, dieses
erst nur
errungene, nie
noch
geliebte Geschöpf.
Rainer Maria Rilke
Gesammelte Werke. Bd. 3: Gedichte. Dritter Teil. Leipzig: Insel-Verlag 1927, S. 460-462.
[Erster
Entwurf zu Wendung]
Denn dies ist mein
Wesen zur Welt:
Daß sich draußen
Erscheinung
wie auf ein stilles
Gerücht hin,
[in mich innen]
weither in mich
hineinfreut.
Lange errang er's im
Anschaun
Sterne brachen ins
Knie
unter dem zwingenden
Aufblick
oder er anschaute
knieend
und seiner Innigkeit
Duft
machte ein
Göttliches müd
daß es ihm lächelt
im Halbschlaf
Thürne schaute er
so,
daß sie erschraken,
wiedergebaut, unauf-
haltsam, plötzlich
in einem
daß dieses
leerzehrende Aus mir hinausschaun
abgelöst werde durch
ein liebevolles Bemühtsein
um die innere Fülle.
Rainer Maria Rilke
Paris, 20. Juni 1914
Aus: Gedichte, Nachlass, Vollendetes.
::.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wir sollen nur tiefer und wunderbarer hängen an dem, was war,
und lächeln: ein wenig klarer vielleicht als vor einem Jahr....
Rainer Maria Rilke.
Danke für den Kommentar.
Herzlichst,
George de Courtenay